Wie bringt man einen Online-Shop schnell auf den Markt? Teil 2: Minimum Viable Product (MVP) und SCRUM

14. Juli 2025

Von: Tibor Petrik

Lesezeit: 4:06 min

SK

MVP

Wenn Sie schon einmal mit der Entwicklung eines Online-Shops begonnen haben, wissen Sie, dass der Weg von der Idee bis zum funktionsfähigen Webshop voller Herausforderungen sein kann. Der traditionelle Ansatz bedeutet oft monatelange Planung, Entwicklung und Tests – und selbst dann entspricht das Ergebnis nicht immer den Erwartungen der Kunden. Zum Glück gibt es einen effizienteren Weg, um einen Shop schnell und flexibel auf den Markt zu bringen: die Kombination aus agilem Vorgehen und dem Konzept des Minimum Viable Product (MVP).

Scrum und der agile Ansatz bedeuten nicht nur eine schnellere Entwicklung. Sie bieten auch bessere Kontrolle über Prioritäten und ermöglichen es dem Kunden, aktiv Einfluss auf das Endprodukt zu nehmen. Im ersten Teil haben wir diese Vorteile beleuchtet. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, wie man ein effektives Minimum Viable Product (MVP) für Ihren Online-Shop erstellt – und wie Ihnen der agile Ansatz hilft, schnell auf Marktveränderungen und Kundenanforderungen zu reagieren.

Der agile Ansatz, insbesondere die Scrum-Methodik, bringt einen iterativen Prozess in die Entwicklung eines Online-Shops. Das bedeutet: Anstatt ein Jahr auf das fertige Produkt zu warten, starten Sie mit einer funktionsfähigen Basisversion schon nach wenigen Wochen. Gleichzeitig verbessern Sie den Shop kontinuierlich – auf Grundlage realen Nutzer-Feedbacks.

Klingt nach einem Gewinn? Ist es auch.

Laut dem CHAOS Report 2020 der Standish Group scheitern ganze 66 % aller Technologieprojekte teilweise oder vollständig. Warum also Zeit und Geld in die Entwicklung von Funktionen investieren, die Kunden womöglich gar nicht brauchen?

Genau hier kommt das Konzept des Minimum Viable Product (MVP) ins Spiel – die einfachste Version eines Produkts, die dem Kunden bereits echten Mehrwert bietet und es ermöglicht, zu testen, was tatsächlich funktioniert.

Was ist ein MVP und warum ist es wichtig?

Ein MVP (Minimum Viable Product) im Fall eines Online-Shops bedeutet eine funktionsfähige Webshop-Version mit nur den notwendigsten Features – also eine Plattform, die bereits Verkäufe ermöglicht und Kundendaten über das Nutzerverhalten sammelt. Und das Wichtigste: Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Sie gehen live, sammeln Daten und verbessern gezielt weiter.

Vorteile eines MVP:

  • Schneller Markteintritt: Eine erste Version des Shops kann in wenigen Wochen live gehen.
  • Reale Nutzerdaten: Echtes Nutzerverhalten liefert weit mehr Erkenntnisse als endlose interne Meetings.
  • Flexibilität: Die Weiterentwicklung konzentriert sich auf das, was den größten Nutzen oder die größten Probleme bringt – kein „Bauchgefühl-Management“.

Wie könnte ein MVP für einen Online-Shop aussehen?

Beim Entwurf eines MVP konzentrieren wir uns auf das Wesentliche – Funktionen, die es dem Kunden ermöglichen, den Shop zu besuchen, Produkte auszuwählen und zu bezahlen:

  • Startseite: Klare Darstellung der Marke, aktueller Angebote und Top-Produkte. Der erste Eindruck zählt.
  • Produktliste (PLP): Übersichtliche Kategorien, grundlegende Filterfunktionen, einfache Orientierung im Sortiment.
  • Produktdetailseite (PDP): Bilder, Beschreibung, Preis – alles, was der Kunde für eine Kaufentscheidung braucht.
  • Warenkorb und Checkout: Ein unkomplizierter Kaufprozess ohne unnötige Hürden.
  • Zahlung: Integration eines Zahlungsanbieters – z. B. Kartenzahlung oder Nachnahme.
  • Versand: Anbindung an einen Versanddienstleister, um direkt mit der Auslieferung starten zu können.
  • Analytics: Grundlegendes Tracking des Nutzerverhaltens (z. B. via Google Analytics).

Mit dieser Basis können Sie den Shop live schalten, erste Verkäufe tätigen, den Markt testen und vor allem: wertvolle Daten sammeln, die die Weiterentwicklung gezielt steuern.

Daten = ein echter Blick darauf, was auf der Website passiert

Im agilen Entwicklungsansatz sind Daten eines der wichtigsten Entscheidungswerkzeuge. Sie ermöglichen uns:

  • zu verstehen, was Nutzer tatsächlich tun – und an welcher Stelle sie abspringen,
  • durch A/B-Tests verschiedene Varianten von Elementen oder Funktionen zu vergleichen,
  • die Weiterentwicklung dort zu priorisieren, wo sie den größten Effekt bringt.

Aus der Praxis wissen wir: Viele Entscheidungen im Entwicklungsprozess basieren auf Bauchgefühl, Annahmen oder einer kleinen Stichprobe an Meinungen. Daten hingegen ermöglichen es, diese Hypothesen zu überprüfen – und oft auch zu widerlegen. Gerade die Analytik deckt Verhaltensmuster auf, die wir sonst nie vermutet hätten.

Wie beeinflusst die SCRUM-Methodik und der agile Ansatz die Entwicklung eines MVP?

Bei der Planung eines Online-Shops stellen wir uns oft sofort das Komplettpaket vor – von einem perfekt ausgearbeiteten Kundenkonto über komplexe Filterfunktionen bis hin zu mehreren Versandoptionen.
Der agile Ansatz – insbesondere nach dem SCRUM-Modell – lehrt uns jedoch, dieses große Ganze in kleinere, sinnvolle Einheiten zu zerlegen und zuerst das umzusetzen, was den größten Mehrwert bietet.

1. Grundstruktur:

  • Homepage – Präsentation der Marke und Hervorhebung der wichtigsten Produkte
  • PLP (Product Listing Page) – Produktübersicht mit Sortier- und Filtermöglichkeiten
  • PDP (Product Detail Page) – Bilder, Videos, Beschreibung, 3D-Modelle, Dokumente
  • Mein Konto – Kontaktdaten, Bestellhistorie, Wunschliste

2. Warenkorb und Checkout

3. Integrationen:

  • Versanddienstleister – Anbieter 1, Anbieter 2, Abholstationen
  • Zahlungsmethoden – Kartenzahlung, Google Pay, Apple Pay, PayPal
  • Marketing und Analyse – Google Analytics, Meta Pixel, Newsletter-Tools

Phase 1: Minimum Viable Product (MVP)

Aus dem gesamten Funktionspaket wählen wir nur das aus, was für einen schnellen Start und die ersten Verkäufe notwendig ist:

Phase 2: Erweiterungen basierend auf Daten und Feedback

Basierend auf der tatsächlichen Nutzung und gesammelten Daten werden schrittweise weitere Funktionalitäten hinzugefügt:

Zusammenarbeit als Grundlage eines erfolgreichen Online-Shops

Scrum basiert nicht nur auf Prozessen und Tools – seine wahre Stärke liegt in der Zusammenarbeit. Ohne regelmäßige Kommunikation und gegenseitiges Verständnis zwischen dem Kunden und dem Entwicklungsteam besteht die Gefahr, dass das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Unser Ziel ist es daher, gemeinsam „die Punkte zu verbinden“ – ein Produkt zu schaffen, das sinnvoll ist und echten Mehrwert bietet.

Die häufigsten Hindernisse bei der Entwicklung:

  • Missverständnisse über die Prinzipien von Scrum (Fokus auf die Form statt auf die Zusammenarbeit),
  • Widerstand gegen Veränderungen und festgefahrene Vorstellungen,
  • Schwache oder unklare Kommunikation zwischen den Beteiligten,
  • Unklar definierte Rollen und Verantwortlichkeiten,
  • Häufige Änderungen ohne klare Strategie.

 

Diese Herausforderungen lassen sich jedoch mit einem agilen Ansatz überwinden. Entscheidend ist die richtige Einstellung: Offenheit für Veränderungen, der Wille zur kontinuierlichen Verbesserung, transparente Kommunikation und ein Fokus auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer.

Fazit: Agilität ist kein Ziel, sondern ein Werkzeug

Scrum und agile Methoden sind keine Wundermittel für alle Probleme. Sie bilden jedoch eine bewährte Grundlage für eine Entwicklung, die flexibel, kooperativ und auf echten Mehrwert ausgerichtet ist. Sie helfen Ihnen, bessere Entscheidungen zu treffen, schneller zu reagieren und aktiv am Entstehungsprozess teilzunehmen – mit echtem Einfluss auf das Ergebnis.

Wenn Sie einen Partner suchen, mit dem Sie ein echtes Team bilden – nicht nur ein Auftraggeber sein möchten – und einen Online-Shop aufbauen wollen, der gemeinsam mit Ihrem Business wächst, dann ist Cassovia Code bereit, der richtige Partner für Sie zu sein.

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Tibor Petrik
Der Autor dieses Artikels ist ein Projektmanager, der seine Karriere bei uns als Tester begonnen hat. Doch seine Leidenschaft für die Verbesserung der Teamzusammenarbeit und Projektabläufe führte ihn schließlich zum Scrum. Im Laufe der Jahre eignete er sich die Prinzipien des agilen Projektmanagements an und ist heute eine zentrale Stütze des Teams, das sich auf die Entwicklung von B2B-E-Commerce-Lösungen spezialisiert hat. Dank seines fundierten Verständnisses der Abläufe in B2B-Projekten und des täglichen Kontakts mit den Bedürfnissen von B2B-Kunden gelingt es ihm, Teamarbeit effektiv mit den realen Geschäftszielen unserer Kunden zu verknüpfen.

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