In der heutigen schnelllebigen digitalen Welt, in der sich Technologien und Kundenbedürfnisse ständig verändern, ist eine kurze Time-to-Market entscheidend. Viele Unternehmen stellen sich daher die zentrale Frage: Wie kann man einen E-Shop effizient, flexibel und ohne unnötige Verzögerungen entwickeln?
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf den Unterschied zwischen dem traditionellen Waterfall-Ansatz und der modernen agilen Methode Scrum. Als praktisches Beispiel nehmen wir die Entwicklung eines Onlineshops und zeigen, warum Scrum für Unternehmen, die schnell starten wollen, aber keine Kompromisse bei der Qualität eingehen möchten, eine ideale Lösung sein kann.
Use Case: Der Kunde beauftragt einen E-Shop
Um die verschiedenen Entwicklungsansätze besser zu verstehen, betrachten wir einen realen Fall: Ein Kunde kommt mit der Anforderung, einen modernen E-Shop zu erstellen. Er erwartet eine Lösung, die nicht nur funktional, sondern auch benutzerfreundlich, mobiloptimiert und mit den neuesten Zahlungs- und Marketingtools ausgestattet ist.
Typische Anforderungen an einen modernen E-Commerce-Shop:
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Responsives Design (optimiert für Mobilgeräte und Desktop)
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UX- und SEO-Optimierung
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Übersichtliche Produktseiten (Fotos aus mehreren Perspektiven, Videos, Zertifikate, Vergleichsfunktionen, Größentabellen)
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Warenkorb und Checkout-Prozess:
– Schneller Bestellvorgang
– Minimalistisches Design (ohne unnötige Formulare)
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Verschiedene Zahlungsmethoden (Kreditkarte, Apple Pay, PayPal, Überweisung)
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Anbindung an Versanddienstleister und Paketboxen
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Integration von Analyse- oder CDP-Software
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Marketingtools (Newsletter, Rabatte, Cross-Selling)
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Live-Chat oder Chatbot
Vergleich zweier Entwicklungsansätze: Waterfall vs. Scrum
Anhand dieses Beispiels lässt sich gut zeigen, wie sich ein E-Shop-Projekt mit zwei unterschiedlichen Methoden umsetzen lässt: dem klassischen Waterfall-Modell und dem agilen Scrum-Ansatz.
So funktioniert die Entwicklung im Waterfall-Modell
Der klassische Ansatz (Waterfall) folgt einem festen Ablauf:
- Am Anfang steht eine detaillierte Analyse und Spezifikation.
- Daraus entsteht ein umfassendes Pflichtenheft mit Aufgabenverteilung.
- Die Entwicklung erfolgt linear, ohne Zwischenlieferungen.
- Test und Fehlerbehebung finden erst am Ende statt.
- Am Schluss wird der fertige Shop übergeben.
Probleme beim Waterfall-Modell:
- Lange Entwicklungsdauer (mehrere Monate)
- Geringe Flexibilität bei Änderungswünschen
- Risiko, kritische Fehler erst am Ende zu entdecken
- Der Kunde sieht das Produkt erst kurz vor dem Launch
Wie Scrum denselben Use Case lösen würde
Scrum verfolgt einen anderen Ansatz. Die Entwicklung wird in kurze Zyklen unterteilt (sogenannte Sprints), in denen das Team Schritt für Schritt funktionierende Teile des Shops erstellt. Der Kunde ist von Anfang an eingebunden und kann laufend Feedback geben – das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis seinen Vorstellungen entspricht.
Beispielhafter Ablauf eines Scrum-Projekts
1. Projektvorbereitung
- Der Kunde und das Team definieren gemeinsam die Anforderungen.
- Diese werden in kleinere Funktionen (User Stories) aufgeteilt.
- Für jede Funktion wird der Aufwand geschätzt.
- Eine Roadmap mit grober Zeitplanung wird erstellt.
Beispiel für ein Product Backlog:
1. Als Kunde möchte ich Produkte auf eine Wunschliste setzen, um sie später zu kaufen.
2. Als Kunde möchte ich den Status meiner Bestellung verfolgen können.
3. Als Kunde möchte ich die Versandart auswählen und den Preis vor der Zahlung sehen.
4. Als Kunde möchte ich per Apple Pay oder Google Pay bezahlen, um den Checkout zu beschleunigen.
5. Als Kunde möchte ich Produkte bewerten und Bewertungen lesen.
6. Als Kunde möchte ich personalisierte Produktempfehlungen erhalten.
7. Als Kunde möchte ich E-Mails mit Neuigkeiten erhalten, die auf meinen Käufen basieren.
8. Als Admin möchte ich ein Dashboard mit Verkaufsstatistiken haben.
9. Als Admin möchte ich Benutzerrechte im System verwalten können.
10. Als Redakteur möchte ich über ein CMS Artikel zur SEO-Optimierung verwalten.
11. Als Marketer möchte ich automatische Kampagnen für abgebrochene Warenkörbe einrichten.
2. Kick-off und erster Sprint
- Die wichtigsten Funktionen werden für den ersten Sprint ausgewählt.
- Nach zwei Wochen ist die erste funktionierende Komponente (z. B. Warenkorb, Checkout) einsatzbereit.
3. Wiederholung der Sprints
- Das Team entwickelt nach und nach weitere Funktionen.
- Mit jedem Sprint nähert sich das Produkt dem MVP (Minimum Viable Product).
Beispiel für eine Scrum-Roadmap
Annahme: 2-wöchige Sprints, Roadmap über ~12 Wochen
- Wunschliste
- Versandauswahl & Preisanzeige
- Sendungsverfolgung
- Apple Pay / Google Pay
- Bestellübersicht
- Adressvalidierung & UX-Optimierung
- Automatische E-Mails (Begrüßung, Warenkorbabbruch)
- Personalisierte Empfehlungen
- Newsletter-Integration (z. B. Mailchimp)
- Admin-Dashboard
- Export von Bestellungen
- Grundlegende Kundensegmentierung
Ein MVP kann bereits nach wenigen Sprints stehen
So hat der Kunde die Möglichkeit, schnell mit einem funktionierenden Produkt live zu gehen – und dieses anschließend anhand realer Daten weiterzuentwickeln.
In Teil 2 des Artikels zeigen wir:
- Wie ein MVP-E-Shop konkret aussehen kann
- Warum das Sammeln von Analysedaten von Anfang an wichtig ist
- Wie Scrum hilft, wertvolle Funktionen richtig zu priorisieren
- Die häufigsten Fehler – und wie man sie vermeidet



