Ehe man sich versieht, ist das Jahr 2027 da.
SAP ECC wird weiterhin laufen. Aufträge werden verarbeitet, Rechnungen erstellt, Lager und Produktion tauschen Daten aus und die Anwender melden sich jeden Morgen wie gewohnt im System an.
Nach außen wird zunächst nichts Dramatisches passieren. Im Hintergrund läuft der Countdown jedoch bereits. Unternehmen müssen entscheiden, wie es mit ihrem System weitergeht, welche Risiken sie noch bereit sind einzugehen und ob ausreichend Zeit, Personal und Budget für den Umstieg auf SAP S/4HANA zur Verfügung stehen.
Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung des Supportendes von SAP ECC. Das System wird nicht von einem Tag auf den anderen abgeschaltet. Der Spielraum für sichere und strategische Entscheidungen wird jedoch zunehmend kleiner.
Was bedeutet das Ende des SAP-ECC-Supports konkret?
SAP definiert für seine Produkte feste Zeiträume für die reguläre Wartung. Für SAP ECC 6.0 mit den Enhancement Packages 6 bis 8 endet die Mainstream Maintenance am 31. Dezember 2027.
Unternehmen, die ältere ECC-Versionen nutzen, konkret die Enhancement Packages 0 bis 5, haben das Ende der regulären Wartung bereits Ende 2025 erreicht und befinden sich heute in der sogenannten Customer-Specific Maintenance.
Das bedeutet nicht, dass das System nach 2027 nicht mehr funktioniert. Die Daten bleiben erhalten, Anwender können sich weiterhin anmelden und die täglichen Geschäftsprozesse können grundsätzlich weiterlaufen.
Aus Unternehmenssicht ändert sich jedoch ein entscheidender Punkt: Das System wird nicht mehr im gleichen Umfang unterstützt wie bisher.
Unternehmen könnten künftig ohne neue Sicherheits-Patches, gesetzliche Aktualisierungen oder umfassende Unterstützung bei neu auftretenden Problemen auskommen müssen.
Organisationen, die mehr Zeit benötigen, können die Extended Maintenance bis Ende 2030 in Anspruch nehmen. Diese ist jedoch mit höheren Kosten verbunden. Der jährliche Wartungsaufschlag liegt bei etwa zwei Prozentpunkten.
2030 ist daher kein neuer, komfortabler Zieltermin. Es ist zusätzlich erkaufte Zeit.
Für einen CTO ist nicht das Datum entscheidend, sondern der verbleibende Handlungsspielraum
Auf den ersten Blick scheint der Dezember 2027 noch weit entfernt zu sein. Bei einem Transformationsprojekt ist jedoch nicht entscheidend, wie viele Monate bis zum Supportende verbleiben.
Wichtiger ist, wie viel Zeit noch für die Analyse des bestehenden Systems, die Auswahl der richtigen Strategie, die Datenvorbereitung, die Neugestaltung von Prozessen, die Entwicklung von Integrationen, umfangreiche Tests und die Stabilisierung der neuen Umgebung zur Verfügung steht.
Der Umstieg auf SAP S/4HANA ist kein gewöhnliches Upgrade.
In Unternehmen, die SAP ECC seit zehn oder fünfzehn Jahren nutzen, ist das System häufig tief in der gesamten Organisation verankert. Es enthält kundenspezifische Entwicklungen, historisch gewachsene Integrationen, manuelle Workarounds und Prozesse, für die es heute möglicherweise keinen klar definierten Verantwortlichen mehr gibt.
Je stärker das System im Laufe der Jahre an das Unternehmen angepasst wurde, desto schwieriger ist die Entscheidung, was in die neue Umgebung übernommen, was neu konzipiert und was nicht länger beibehalten werden sollte.
Ein CTO beschäftigt sich deshalb nicht nur mit einer technologischen Migration. Er muss auch Teamkapazitäten, die Verfügbarkeit von SAP-Experten, parallel laufende Projekte, Abhängigkeiten zwischen Systemen und die Frage berücksichtigen, wie viel Veränderung die Organisation gleichzeitig bewältigen kann.
Das größte Risiko besteht nicht darin, dass das System nicht mehr funktioniert
Das größte Risiko besteht darin, dass das Unternehmen seine Wahlmöglichkeiten verliert.
Beginnt die Vorbereitung zu spät, werden aus strategischen Entscheidungen nach und nach Notfallentscheidungen. Das Unternehmen wählt nicht mehr den optimalen Zeitplan, sondern den ersten realisierbaren Termin. Es entscheidet sich nicht mehr für einen Partner aufgrund von Qualität und Erfahrung, sondern aufgrund kurzfristiger Verfügbarkeit.
Anstelle einer geplanten Transformation kann am Ende eine kostspielige Verlängerung der Lebensdauer eines veralteten Systems stehen.
Nach dem Ende der regulären Wartung bleiben im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
- Betrieb im Rahmen eines eingeschränkten Supportmodells
- Nutzung der kostenpflichtigen Extended Maintenance bis 2030
- Support durch einen Drittanbieter außerhalb des regulären SAP-Ökosystems
Jede dieser Optionen kann in einer bestimmten Situation sinnvoll sein. Keine davon sollte jedoch nur deshalb gewählt werden, weil dem Unternehmen die Zeit für eine bessere Alternative fehlt.
Das Ende von SAP ECC ist nicht nur ein IT-Projekt
Eine Migration auf SAP S/4HANA beginnt häufig als technische Diskussion. Sehr schnell wird jedoch deutlich, dass sie auch Finanzen, Logistik, Produktion, Einkauf, Vertrieb und Reporting betrifft.
Die IT-Abteilung kann die technische Architektur, Integrationen und kundenspezifischen Code analysieren. Sie kann jedoch nicht allein entscheiden, welche Prozesse beibehalten, welche vereinfacht und welche nur als Reaktion auf die Einschränkungen des alten Systems entstanden sind.
Genau deshalb wird der Umstieg auf S/4HANA zu einem unternehmensweiten Transformationsprojekt.
Für den CTO bedeutet das, einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen, in dem IT, Fachbereiche und Unternehmensleitung auf Basis derselben Prioritäten entscheiden.
Fehlt diese Abstimmung, kann die Migration zu einer teuren technischen Kopie der alten Umgebung werden: Das System läuft zwar auf einer neuen Plattform, behält aber die gesamte bisherige Komplexität bei.
Eine Verschiebung bedeutet mehr als nur ein höheres Risiko
Wenn ein Unternehmen die Migration verschiebt, verschiebt es nicht nur die Projektkosten. Es verzögert auch die Möglichkeit, den Umgang mit Daten, Automatisierung und Geschäftsprozessen zu modernisieren.
S/4HANA kann schnelleres Reporting, einen besseren Zugriff auf Echtzeitinformationen, mehr Automatisierung und eine einfachere Verknüpfung von Prozessen über Abteilungsgrenzen hinweg ermöglichen.
Diese Vorteile entstehen jedoch nicht automatisch allein durch die Einführung einer neuen Technologie.
Überträgt ein Unternehmen qualitativ mangelhafte Daten, unnötig komplexe Prozesse und sämtliche historischen Anpassungen ungeprüft in das neue System, übernimmt es auch einen erheblichen Teil seiner bestehenden technischen Schulden.
Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, wie der Wechsel von SAP ECC zu S/4HANA erfolgen soll. Ebenso wichtig ist, was das Unternehmen mit dieser Transformation erreichen möchte.
Womit sollte sich ein CTO bereits heute beschäftigen?
Der erste Schritt muss nicht zwingend der unmittelbare Start der Migration sein. Viel wichtiger ist zunächst ein realistisches Bild der bestehenden Systemlandschaft.
Das Unternehmen muss wissen, welche SAP-ECC-Version im Einsatz ist, welche kundenspezifischen Entwicklungen das System enthält, welche Integrationen kritisch sind und welche Geschäftsprozesse davon abhängen.
Die Analyse sollte auch Fragen umfassen, die im Tagesgeschäft häufig aufgeschoben werden:
- Welche Erweiterungen werden noch aktiv genutzt?
- Welche wurden nur entwickelt, weil die Standardfunktionen damals nicht ausreichten?
- Wer ist für die einzelnen Integrationen verantwortlich?
- Wie ist die Qualität der Stammdaten?
- Welche Prozesse sollten unverändert in die neue Umgebung übernommen werden?
Erst auf Grundlage dieser Informationen lässt sich verantwortungsvoll entscheiden, ob eine Systemkonvertierung, eine Greenfield-Implementierung oder eine Kombination aus beiden Ansätzen die richtige Strategie ist.
Was können Sie bereits heute tun?
Verschaffen Sie sich zunächst ein realistisches Bild davon, wie gut Ihr Unternehmen auf den Umstieg vorbereitet ist.
Sprechen Sie mit unseren SAP-Experten und erfahren Sie, welche Themen Ihr Unternehmen angehen sollte, bevor das Ende des SAP-ECC-Supports zu einem Wettlauf gegen die Zeit wird.
Kostenlose Beratung vereinbaren
Lesen Sie die Serie weiter
Datenmigration ist kein Detail
Warum die Datenqualität über Erfolg oder Misserfolg einer SAP-S/4HANA-Transformation entscheiden kann.
SAP Datasphere
Wie sich Daten aus SAP und anderen Systemen ohne unnötige Duplizierung miteinander verbinden lassen.
Fiori Elements vs. Freestyle Fiori
Wie Sie den passenden Ansatz für die Entwicklung und Wartung neuer SAP-Anwendungen wählen.



